Achtsamkeit lernen: So hilft dir Monotasking im Alltag

Oft hört man davon, dass Achtsamkeit zu einem besseren und ausgeglichenerem Leben führt. Doch was heißt es eigentlich, achtsam zu sein?

Für mich ist Achtsamkeit die Kunst der bewussten Wahrnehmung; ein Seins-Zustand, in dem man die Fülle des gegenwärtigen Moments erlebt, ohne auszuwählen oder zu unterscheiden.

Viele Meditationsübungen zielen darauf, diesen Zustand herbeizuführen oder zu verstärken. Das Problem dieser Übungen ist, dass sie oft vom Alltag getrennt in der Stille praktiziert werden. Verstehe mich nicht falsch, die „klassische“ sitzende Meditation mit geschlossenen Augen ist sehr hilfreich und färbt natürlich auch auf den Alltag ab.

Doch oft sind es die alltäglichen Gewohnheiten welche angepasst werden müssen, um eine wirkliche Veränderung im Leben zu bewirken. Daher möchte ich in diesem Artikel darauf eingehen, wie du durch Monotasking Achtsamkeit lernen und in deinen Alltag integrieren kannst.

Achtsamkeit lernen – geht das überhaupt?

Ja und nein. Achtsamkeit an sich ist nichts, was du lernen musst. Jeder von uns kann von jetzt auf gleich achtsam, und auch unachtsam sein. Dieser Zustand ist nichts technisches oder mechanisches, sondern vielmehr eine bewusste Entscheidung. Die Frage ist jedoch, wie lange diese Entscheidung anhält. Oft vergessen wir das Achtsam sein durch äußere und innere Ablenkungen.

Wenn ich also davon rede, Achtsamkeit zu lernen, meine ich nicht den Zustand. Dieser ist von Grunde auf natürlich und leicht zu erreichen. Stattdessen rede ich davon, Gewohnheiten so zu ändern oder zu etablieren, dass sie es fördern und erleichtern, achtsam zu sein.

Es geht auch darum, im alltäglichen Leben zu erkennen, dass du gerade nicht achtsam bist. Denn das führt dazu, dass du achtsam wirst.

„In dem Moment, wo du erkennst, dass du nicht in der Gegenwart bist, bist du gegenwärtig.“Eckhart Tolle

Multitasking vs. Monotasking

Multitasking ist dir sicher ein Begriff. Es bedeutet, mehrere (multi) Aufgaben (tasks) gleichzeitig zu erledigen. Mit Aufgaben sind hier nicht nur Dinge gemeint, die man aktiv tun muss, sondern auch passivere Dinge wie z.B. Fernsehen schauen oder Musik hören. Das sind für uns zwar keine wirklichen Aufgaben, für unser Gehirn jedoch schon, da es auch diese Eindrücke verarbeiten muss.

In der Arbeitswelt hört man oft, dass „Multitasking-fähige“ Menschen produktiver sind und effizienter arbeiten. Ich behaupte, dass das Quatsch ist. In dem Buch „The ONE Thing“ erklärt Gary Keller, dass Multitasking nicht funktioniert und sich dahinter eigentlich nur die „Kunst“ versteckt, mehrere Dinge gleichzeitig zu vermasseln. Das trifft es wie ich finde ganz gut.

Monotasking für mehr Achtsamkeit

Wo Gary hauptsächlich von der Produktivität bei der Arbeit redet, beziehe ich dieses Prinzip jedoch auf alle Dinge im Leben. Damit meine ich nicht, dass man möglichst produktiv essen oder spazieren soll, sondern dass man es möglichst bewusst tut. Löffel für Löffel, Schritt für Schritt. Eins nach dem Anderen.

Denn Multitasking macht nicht nur unproduktiver, sondern vor allem auch unbewusster. Dadurch, dass man mehrere Dinge gleichzeitig macht, ist man weder bei dem einen, noch bei dem anderen wirklich geistig anwesend. Wie gesagt, ich rede jetzt nicht unbedingt nur von der Arbeit, sondern von allen möglichen Dingen.

Du kennst das vielleicht: du isst etwas und willst nebenbei einen Film oder eine Serie anschauen. Das Ergebnis ist, dass du entweder die Mahlzeit nicht bewusst zu dir nimmst, oder die halbe Handlung des Films verpasst. So oder so führt es zu etwas, bei dem du nicht aufmerksam bist, also auch nicht achtsam.

Beim Monotasking hingegen machst du immer nur eine Aufgabe bzw. eine Sache gleichzeitig. Das führt dazu, dass du viel bewusster wahrnimmst, was du gerade tust. Deine Aufmerksamkeit ist klarer ausgerichtet. Monotasking bringt dich somit näher an den gegenwärtigen Moment, an das Jetzt heran.

Achtsam leben heißt bewusst wahrnehmen

Um mehr Achtsamkeit in dein Leben zu bringen ist Monotasking nicht zwingend notwendig, es hilft jedoch sehr. Das liegt daran, dass es anfangs schlichtweg leichter ist eine Sache bewusst wahrzunehmen, als mehrere Dinge gleichzeitig. Daher üben wir uns ja auch in der sitzenden Meditation mit geschlossenen Augen, weil es so einfacher ist.

Ich rede hier nicht von einer krampfhafter Konzentration, sondern von ganz normaler Aufmerksamkeit. Wenn du etwas tust, nimm es komplett wahr. Sei mit deinen Gedanken nicht irgendwo anders, sondern im Hier und Jetzt. Plane nicht deinen morgigen Tag, während du eine Mahlzeit zu dir nimmst. Denke in einem Gespräch nicht darüber nach, was du als nächstes sagst, sondern höre zu. Sei achtsam, wach, bewusst und gegenwärtig.

Denn Achtsamkeit im Leben beruht auf Bewusstheit im Geiste. Daher ist es so hilfreich, alles nacheinander zu tun. Egal was du tust, tue genau diese eine Sache. Wenn du isst, dann iss. Wenn du dich unterhältst, dann unterhalte dich. Wenn du gehst, dann gehe. Wenn du eine Mail schreibst, dann schreibe genau diese eine Mail, ohne etwas anderes zu tun.

„Achtsamkeit ist ein aufmerksames Beobachten, ein Gewahrsein, das völlig frei von Motiven oder Wünschen ist, ein Beobachten ohne jegliche Interpretation oder Verzerrung.“Jiddu Krishnamurti

Beispiele für Monotasking im Alltag

Ich habe im Laufe des Artikels jetzt schon ein paar Beispiele genannt. Essen ist eine Paradebeispiel für etwas, was man ohne Ablenkungen tun sollte. Kaue langsam und bewusst, genieße das Essen. Es ist eine komplett andere Erfahrung, wenn du dich komplett auf deine Mahlzeit einlässt, anstatt nebenbei noch etwas anderes zu erledigen.

Andere Beispiele sind:

  • Unterhalten
  • Telefonieren
  • den Haushalt machen
  • Auf etwas Warten
  • Laufen/Spazieren
  • Auto fahren
  • Sport machen
  • Arbeiten
  • Spielen
  • Musik hören
  • Mails schreiben
  • Im Internet surfen

Diese Liste ist unendlich lang, wie du dir sicher denken kannst. Schaue auf dein alltägliches Leben und halte Ausschau nach Dingen, die du aus Gewohnheit oft zusammen machst. Führst du immer Telefonate beim Autofahren? Holst du auf der Toilette oder wenn du auf jemanden wartest dein Handy raus? Hörst du beim Putzen Musik?

Jeder hat denke ich seine eigenen kleinen Multitasking-Gewohnheiten. Bei mir war es zum Beispiel das Serien schauen, während ich aß. Oder das Musik/Podcast hören, während ich irgendwelche Wege erledigen ging. Ich hatte wirklich fast immer Stöpsel im Ohr. Heute gehe ich einfach und schaue mir die Umgebung an, was ein Tausend mal schöner ist.

Digital Detox und Achtsamkeit?

In den letzten Jahren hat die Digitalisierung so drastisch zugenommen, dass es viele Menschen überfordert. Wir werden sinnbildlich erschlagen von der ganzen Technik. Den richtigen, bewussten Umgang mit den Geräten haben wir jedoch nie wirklich gelernt. Oft benutzen sie uns, anstatt dass wir sie benutzen. Die Achtsamkeit leidet darunter, was sich auch am Multitasking-Verhalten der Benutzer bemerkbar macht,

Zumindest ist das in meiner Generation häufig so. Wie das bei noch jüngeren Menschen ist, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Das Smartphone ist immer dabei und auch ständig in Benutzung. Sobald die Chance besteht das Handy herauszuholen, wird sie genutzt. Beim Essen, Laufen, auf dem Klo… ja sogar in Gesprächen. Wie verrückt ist das eigentlich?

achtsam sein im alltag

Digital Detox bedeutet auf Deutsch übersetzt so viel wie „digitale Entgiftung“. Es gibt viele Wege, wie d digital „entgiften“ kannst. Der härteste Weg ist wohl, eine 3-10 tägige Kur zu machen. Dabei kannst du dir die Regeln natürlich selbst festlegen: auf alles digitale oder z.B. nur auf das Smartphone verzichten.

So eine Kur kann sehr schön sein, bringt meiner Erfahrung aber nicht sehr viel, weil du danach schnell wieder in den digitalen Alltag verfallen kannst. So war es bei mir. Effektiver ist es, wenn du dich auf Dauer unabhängig von digitaler Unterstützung machst und deinem Smartphone und anderen Geräten generell weniger Beachtung schenkst.

Der Flugmodus, oder noch besser: der Ausschaltknopf, ist eine wunderbare Funktion, um dich nicht von Push-Benachrichtigungen ablenken zu lassen. Lass dein Smartphone auch einfach mal Zuhause liegen, wenn du es nicht unbedingt brauchst.

Smartphone-freie Zeiten helfen sehr dabei, dich vom digitalen Stress zu befreien. Der Morgen und der Abend sind dafür perfekt geeignet. Probiere es mal aus, die erste und die letzte Stunde am Tag ohne digitale Geräte zu verbringen. Es ist unglaublich, was es für einen Unterschied macht.

Du kannst dir auch digitale Zeiten einrichten, was noch besser ist. Das kann so aussehen, dass du dir am Tag 30 bewusste Minuten nimmst, in denen du deine Social-Media-Kanäle und Mails checkst und dann war’s das für den Tag.

Wenn du auch manchmal merkst, dass du zu viel Zeit im Internet verbringst, dann probiere deinen digitalen Konsum durch solche kleinen Gewohnheiten in den Griff zu bekommen. Und wenn du dann du im Internet surfst, tue es bewusst! Nimm wahr, was du gerade machst. Verfalle nicht in diesen „Klick-und-Scroll-Wahn“.

Bewusste Pausen im Alltag machen

Um den Alltag bewusster zu erleben ist es hilfreich, bewusste Pausen einzulegen. Oft bewegt sich alles so schnell an uns vorbei, dass wir das Leben gar nicht richtig wahrnehmen. Kleine Pausen nehmen die Geschwindigkeit aus dem Alltag und sorgen so für mehr Achtsamkeit. Einfach mal die Seele baumeln lassen und mit sich selbst allein sein.

Was du in dieser „Ich-Zeit“ tust, ist dir überlassen. Ich würde jedoch von digitalen Geräten abraten und entspanntere Tätigkeiten wählen. Das kann ein Spaziergang im Park oder eine Tasse Tee auf dem Balkon sein. Für mich bedeutet es meistens, mich auf mein Fensterbrett zu setzen und einfach heraus in die Welt zu schauen.

Fazit

Wenn du Achtsamkeit lernen willst musst du keine besondere Fähigkeiten mitbringen, sondern schlichtweg die Gewohnheit aufbauen, achtsam zu sein. Sei gegenwärtig bei dem was du tust, denkst und sagst. Dies schaffst du am einfachsten, indem du deinen Alltag so anpasst, dass du eine Sache nach der anderen machst. Denn dabei fällt es viel viel leichter, achtsam zu sein.

Schreibe mir deine Erfahrungen zu Montoasking, Digital Detox und Achtsamkeit im Allgemeinen gerne in die Kommentare.

 

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5 Kommentare

  1. Julia 20. April 2018 at 10:53

    Sehr cooler Artikel!
    „Monotasking“ habe ich noch nie gehört 😉
    Auf jeden Fall habe ich selbst schon allzu oft gemerkt, dass Multitasking für mich nicht so gut funktioniert…und das obwohl ich eine Frau bin 😉
    Also im Sinne der Achtsamkeit–hin zum Monotasking!

    P.S. Artikel wird sofort gepinnt! 🙂
    LG
    Julia von Selbstvertrauen für Frauen

    Reply
    1. Valentin Voigt 21. April 2018 at 21:06

      Hey Julia,
      ich danke dir für dein Feedback und den Pin, das freut mich sehr. Du bist tatsächlich die erste Kommentatorin auf meinem Blog und hast hier damit einen Sonderstatus erreicht. 😛

      Liebe Grüße

      Reply
      1. Julia 23. April 2018 at 10:31

        Juchu 😃
        Wenn das nicht ein Grund zum feiern ist!

        Also der Anfang ist gemacht! 😉

        LG Julia
        P.S. leg doch bei Pinterest ein Board mit Deinen Blogartikeln an.
        Ich folge Dir dort, aber ich konnte keine Eins zu Blogartikeln finden…

        Reply
        1. Julia 23. April 2018 at 10:32

          Das „Eins“ sollte „Pins“ heißen….

          Reply
        2. Valentin Voigt 23. April 2018 at 18:27

          Danke für den Tipp, das werde ich machen. Mein Profil wollte ich sowieso mal etwas besser strukturieren, mit einheitlich designten Board-Covers usw. Da werde ich mich die Tage mal ransetzen. 🙂

          Reply

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