Die Kaizen-Philosophie: Mit kleinen Schritten ans Ziel

„Kontinuierliche Verbesserung ist besser als verzögerte Perfektion.“

– Mark Twain (1835 – 1910)

Kaizen ist eine japanische Arbeits- und Lebensphilosophie in deren Mittelpunkt der ewige Wandel der Dinge steht. Das Wort Kaizen setzt sich aus den japanischen Wörtern kai (Veränderung) und zen (gut, ganz) zusammen und steht für den kontinuierlichen »Wandel zum Besseren«.

Das Ziel des Kaizen ist nachhaltige und anhaltende Veränderung. Diese erreicht man demnach nicht durch einen radikalen Umbruch, in dem man sein Leben von heute auf morgen auf den Kopf stellt, sondern durch kleine und kontinuierliche Schritte, mit denen man sich stetig dem angestrebten Ergebnis nähert.

Durch die Entwicklung des Kaizen-Prinzip als japanisches Managementsystem wurde die Philosophie des Kaizen auch in der westlichen Welt bekannt und findet heute vor allem in Unternehmen und der Coachingbranche Anwendung. Sie lässt sich jedoch auf jeden Lebensbereich übertragen, in dem man sich gezielt in eine Richtung weiterentwickeln möchte.

Die Kaizen-Philosophie in der Praxis

Der häufig angestrebte »Ganz oder gar nicht«-Ansatz führt häufig dazu, dass wir uns selbst demotivieren, wenn etwas mal nicht so klappt, wie wir es uns vorstellen. Natürlich ist es schön, in kurzer Zeit viel zu bewerkstelligen, aber wie sinnvoll ist es, das über einen längeren Zeitraum zu tun? Nicht selten fallen wir dadurch in alte Muster zurück, machen gar nichts mehr oder schlimmer – enden im Burn-Out.

Mit dem Anspruch, innerhalb eines Tages von 0% auf 100% zu gehen, überfordern wir uns selbst.

Der Ansatz der Kaizen-Philosophie ist gesünder: mache jeden Tag 1% – nur das Minimum von dem, was du anstrebst zu erreichen. Das Gewicht dieser kleinen, konstanten Schritten wiegt in der Summe mehr als eine »radikale« Veränderung, die nur für ein paar Tage oder Wochen hält.

Was du täglich tun kannst:

  • Nimm einen bewussten Atemzug, anstatt 20 Minuten zu meditieren
  • Mache eine körperliche Übung, anstatt ein ganzes Set oder einen Kurs
  • Iss einen Apfel mehr, anstatt deine ganze Ernährung umzustellen
  • Ließ eine Seite, anstatt eines ganzes Kapitels
  • Bewältige eine Aufgabe, anstatt alles gleichzeitig anzugehen

1. Stelle die richtigen Fragen

Wenn wir ein langfristiges Ziel oder eine Vision manifestieren wollen, bleiben wir oft bei der Frage stehen, wie wir dort ankommen. Diese Sichtweise schiebt den angestrebten Zustand jedoch meist von uns weg, da wir ihn dadurch abgekapselt von unserem jetzigen Zustand betrachten und nicht realisieren, dass es vorher noch viele Schritte und verschiedene Teilabschnitte des Weges zu gehen gibt.

Anstatt dich also zu fragen, wie du dein Ziel letztendlich erreichen kannst, frage dich, was du heute tun kannst, um deinem Ziel nur einen Schritt näher zu kommen. Was ist die erste und einfachste Tat, die du vollbringen kannst, um deiner Vision einen Funken Realität zu verleihen?

Visualisieren ist eine hilfreiche Methode, um auf diese Frage eine Antwort zu finden. Wenn du die Augen schließt und dir den angestrebten Zustand in allen seinen Aspekten vorstellst, werden sich deine Gedanken und Gefühle eben diesem Zustand anpassen. Projizierst du diese neue Geisteshaltung dann auf den gegenwärtigen Ist-Zustand, wirst du wissen, was zu tun ist.

2. Nimm dir täglich Zeit

Beständigkeit ist einer der wichtigsten Pfeiler des Kaizen. Wir wollen mit dieser Herangehensweise keine schnellen Ergebnisse erreichen oder über Nacht erfolgreich werden, sondern langfristig anhaltende Veränderung schaffen. Dafür ist es wichtig, täglich einen kleinen Schritt zu gehen, auch wenn es nur für eine Minute oder einen Atemzug lang ist.

Diese Regelmäßigkeit sorgt nicht nur für die Entstehung von nützlichen Gewohnheiten, sondern hilft vor allem dabei, uns immer wieder selbst zu motivieren. Anstatt uns von zu großen Aufgaben entmutigen zu lassen – und dann wie versteinert gar nichts zu tun –, können wir so immer wieder kleine Erfolgserlebnisse feiern, nachdem wir einen kleinen Schritt getan haben.

Durch das tägliche Tun und die regelmäßigen Erfolgserlebnisse bauen wir Schwung auf; wie ein Zug, der immer mehr ins Rollen kommt. So entsteht auf ganz natürliche Weise mehr und mehr Tatendrang in uns und der Wille, unsere Träume zu realisieren, vermehrt sich.

3. Sei geduldig und genieße den Weg

Disziplin bedeutet nicht, sich zu Dingen zu zwingen, die man nicht mag, sondern sich immer wieder bewusst zu werden, was man überhaupt will. Aus diesem Bewusstsein heraus entspringt automatisch eine gesunder Umgang mit den eigenen Zielen und Visionen, der ohne Zwang und ganz natürlich ist.

Wenn etwas mal nicht klappt, wie du es geplant hast, dann ist das nicht schlimm. Nimm dich selbst nicht zu ernst und siehe es mit Humor. Diese Lernerfahrungen sind Teil des Weges und ebenso ein Schritt nach vorne. Hinfallen, aufstehen, weitermachen. »Fehler« lieben lernen.

In der Kaizen-Philosophie geht es weniger um das eigentliche Erreichen des Zieles, als um den Weg dorthin. Es ist ein Teil der Lebenskunst, einen Schritt nach dem anderen zu setzen und dort achtsam zu sein, wo man gerade ist – den Weg in seiner Gesamtheit zu genießen.

Sei daher geduldig und konzentriere dich auf das, was unmittelbar vor dir liegt. Mache dir keine Sorgen, wenn du noch nicht den ganzen Weg klar sehen kannst. Du wirst immer wissen, wie es weitergeht, wenn es soweit ist.

Fange noch heute an!

Schon vor 2500 Jahren sagte Laozi, dass selbst eine Reise von tausend Meilen mit einem einzigen Schritt beginnt. Diese Aussage ist so simpel, dass sie schon fast banal klingt, doch so ist es oft mit tiefen Wahrheiten – sie sind einfach.

Der erste Schritt ist häufig der schwierigste, aber eben auch der wichtigste. Einmal angefangen, fallen alle weiteren Schritte leichter und der »Zug kommt ins Rollen«. Beginne daher heute mit dem, was du dir vorgenommen hast. Tue nur den kleinstmöglichen Schritt in Richtung deines Zieles oder deiner Vision und wiederhole diesen Schritt Tag für Tag.

Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge.

Marcus Tullius Cicero


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