10 Meditationsübungen für mehr Klarheit und Präsenz

Menschen sind verschieden und Meditationsübungen dementsprechend vielfältig. Was für den einen wunderbar funktioniert, kann für den anderen ein Ding der Unmöglichkeit sein. Wichtig ist daher, dass du die für dich richtige Herangehensweise findest und deine Meditationspraxis nicht auf Konzepte oder Ideen darüber beschränkst, wie Meditation »auszusehen hat«. Es gibt kein Richtig oder Falsch – Meditation kann alles sein!

Beim Meditieren kann es um sehr viele Dinge gehen, aber vor allem geht es darum, dass wir lernen, unsere Aufmerksamkeit klar auf etwas auszurichten. Das kann ein Vorgang oder Geschehen, die Wahrnehmung oder das Sein selbst sein. Dieses Bewusstsein wollen wir letztlich über die Meditationsübung hinaus in den Alltag integrieren.

Dabei kann Meditation die unterschiedlichsten Gestalten annehmen. So wie es introvertierte und extrovertierte Persönlichkeitstypen gibt, gibt es auch in der Meditation aktivere und passivere Ansätze. Entscheide hier einfach intuitiv und probiere die Übungen aus, die dich ansprechen.

In den folgenden Meditationsübungen werde ich oft das Wort »Anker« verwenden. Ein Anker ist nichts anderes als das Objekt unserer Aufmerksamkeit und der Kern einer jeden Meditationsübung. Wenn du beim Meditieren von Gedanken oder anderen Eindrücken abgelenkt wirst, kehrst du immer zu dem entsprechenden Anker zurück. Er ist dein Orientierungspunkt.

1. Klassische Sitzmeditation

Unter der »klassischen Sitzmeditation« verstehe ich das Meditieren im Sitzen, mit geschlossenen Augen und dem Atem als Anker. Diese einfache Meditationsübung ist nicht nur für Einsteiger gut geeignet, sondern auch für die meisten »Fortgeschrittenen« ein wichtiger Teil ihrer täglichen Meditationspraxis.

Ziehe dich für diese Übung an einen ungestörten Platz zurück, an dem du dich hinsetzen und entspannen kannst. Du kannst es dir auf einem Hocker oder auf einem Meditationskissen bequem machen. Probiere eine für dich natürlich aufrechte Haltung einzunehmen, in der die Schultern locker und der Körper entspannt ist.

Schließe nun deine Augen und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Probiere nicht, ihn bewusst zu kontrollieren, sondern beobachte ihn einfach nur. Lasse dich von seinem natürlichen Rhythmus dorthin leiten, wo er in diesem Moment ist. Sei da, wenn er durch deine Nase in deinen Körper einströmt und spüre, wie er sich in deinem Körper ausbreitet.

Wenn Gedanken auftauchen – und das werden sie –, probiere nicht, sie weg zustoßen. Lasse sie einfach los, indem du deine Aufmerksamkeit wieder auf deinen Atem richtest. Vielleicht tragen dich deine Gedanken soweit weg, dass du deinen Atem und die Meditation zwischenzeitlich komplett vergisst. Wenn du dir dessen bewusst wirst, ärgere dich nicht darüber. Das ist völlig normal. Kehre einfach wieder zu deinem Atem zurück.

Bei dieser Meditationsübung ist dein Atem dein Anker. Egal was passiert, du kehrst immer wieder zu deinem Atem zurück. Entmutige dich nicht, wenn es anfangs nicht so gut klappt. Selbst wenn du in einer Meditationssitzung nur einen Atemzug bewusst wahrgenommen hast, hat es sich gelohnt. Nach und nach wird es dir immer leichter fallen, deine Aufmerksamkeit gezielt auf eine Sache zu richten.

Diese klassische Meditationsübung entfaltet ihr wahres Potential jedoch erst in der Regelmäßigkeit. Probiere deshalb, dir jeden Tag – bestenfalls am Morgen – etwas Zeit für diese Meditationsübung zu nehmen. Selbst wenn es nur fünf Minuten sind, kann diese kurze Ruhezeit für deinen Geist einen unheimlichen Effekt auf den Rest des Tages haben.

Und wenn es mal nicht klappt, ist das auch nicht schlimm. Meditation sollte nicht zum Zwang, sondern gerne gemacht werden.

2. Gehmeditation

Die Gehmeditation stellt eine wunderbare Möglichkeit dar, Achtsamkeit und Ruhe in den Alltag zu bringen. Ob auf Arbeit, in die Uni oder zum Supermarkt – fast jeder von uns geht täglich irgendwo hin, und jeder von uns atmet dabei. Mehr brauchst du gar nicht, um mit dem meditativen Gehen zu beginnen.

Wie bei jeder Meditationsübung ist Achtsamkeit die Basis, auf der alles aufbaut. Verbinden wir diese Achtsamkeit mit einem Anker, wie zum Beispiel dem Atem, haben wir eine bestimmte Meditationsübung. Bei der Gehmeditation sind das Gehen selbst, dein Körper und dein Atem deine Anker.

Um das Meditieren im Gehen nun das erste Mal auszuprobieren, solltest du für deine nächste Strecke zu Fuß etwas mehr Zeit einplanen. Du kannst auch die ersten Schritte bei dir Zuhause üben, um ein erstes Gefühl für diese Übung zu bekommen. Bei der Gehmeditation wollen wir nicht von A nach B hetzen, sondern den Weg achtsam wahrnehmen und in seiner Fülle erfahren. Dafür ist ein gemäßigtes Tempo empfehlenswert.

Der Weg ist das Ziel.

Wenn du nun zu gehen beginnst, richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper und das Gehen selbst. Führe jeden Schritt bewusst durch. Spüre, wie dir der Boden unter deinen Füßen Halt und Stabilität verleiht. Spüre die Bewegung und den Rhythmus deines Atems. Probiere nicht, ihn zu steuern, sondern lasse ihn sich auf natürliche Weise deinem Schritttempo anpassen. Beobachte einfach.

Du musst die Gehmeditation natürlich nicht nur praktizieren, wenn du sowieso irgendwohin gehen musst. Du kannst dir auch gezielt dafür Zeit nehmen. Gehe dann am besten in die Natur und laufe gegebenenfalls barfuß. Dies lässt dich die Verbindung zum Boden besser spüren und erdet dich gleichermaßen.

3. Meditation mit binauralen Beats & geführte Meditationen

Bestimmte Klänge oder eine anleitende Stimme als Meditationsgrundlage zu verwenden ist ein eher passiver, aber sehr wirksamer Ansatz. Gerade wenn du ein auditiver Typ bist, gerne Musik hörst oder selber Musik machst, ist diese Form der Meditation wahrscheinlich gut für dich geeignet.

Binaurale Beats stellen hier die beste Möglichkeit dar, um auf akustischem Wege den Zustand der Meditation einzuleiten. Diese Beats erzeugen durch unterschiedliche Töne einen Schwingungsausgleich im Gehirn, durch den – je nach Frequenz – Alpha- oder Theta-Wellen entstehen. Diese Gehirnwellen ermöglichen eine tiefe Entspannung und Zugang zu sonst verborgenen Ebenen des Unterbewusstseins.

Auf YouTube und anderen Musik-Portalen wie Soundcloud oder Spotify kannst du diese zu Genüge finden und dir einen aussuchen, der dir gefällt. Neben binauralen Beats kannst du auch geführte Meditationen verwenden, also Tonaufnahmen, in denen du von der Stimme eines Menschen durch die Meditation geleitet wirst. Auch klassische Meditations- oder Entspannungsmusik erfüllt ihren Zweck. Schaue einfach, was dir gefällt und dich in einen Zustand der bewussten Entspannung versetzt.

Mit binauralen Beats oder mit einer geführten Meditation lässt es sich sowohl im Sitzen als auch im Liegen meditieren. Achte bloß darauf, dass du für die Dauer der Meditation ungestört bist und nicht direkt einschläfst. Probiere stets bei Bewusstsein zu bleiben und zu beobachten, was passiert und wie sich dein mentaler, emotionaler und körperlicher Zustand verändert. Du kannst dich auf die visuellen Eindrücke vor deinem geistigen Auge, deine Körperempfindungen oder komplett auf die Klänge einlassen.

Beim Autofahren oder anderen Aufgaben, die deine Aufmerksamkeit erfordern, solltest du selbstverständlich keine binauralen Beats oder ähnliches anhören.

4. Schreibmeditation

Die Schreibmeditation ist eine meiner Liebling-Meditationsübungen, da sie nicht nur einen stark meditativen Charakter hat, sondern man gleichzeitig viel über sich selbst und seine Gedanken lernt. Das tut man bei anderen Meditationsübungen zwar auch, doch bei der Schreibmeditation hat man ein unmittelbares Feedback und gleichzeitig das Geschriebene, mit dem man sich auch im Nachhinein noch auseinandersetzen kann.

schreibmeditationUm mit der Schreibmeditation zu beginnen, kannst du dir einen Stift und Papier nehmen und es dir irgendwo bequem machen. Du kannst auch am Computer und mit einer Tastatur tippen, aber durch das Schreiben mit der Hand kommt man in der Regel leichter in einen meditativen Zustand. Schaue einfach, was für dich besser funktioniert.

Fange dann einfach an zu schreiben und bringe alle deine Gedanken aufs Papier. Du musst sie nicht ordnen oder strukturieren – niemand außer dir muss das Geschriebene je lesen. Vergiss also jegliche Bewertungen und am besten auch deine eigene Meinung. Schreibe einfach unverändert auf, was dir gerade durch den Kopf geht.

Wenn dir nichts einfällt, schreibe, dass dir nichts einfällt. Die Hauptsache ist, dass du irgendetwas schreibst. Es muss wirklich keinerlei Sinn ergeben. Du kannst über deine momentane Wahrnehmung, deine Gefühle und Körperempfindungen oder über jedes beliebige Thema schreiben, was dir gerade in den Kopf kommt. In dieser ersten Phase der Schreibmeditation geht es nur darum, den Kopf »leer« zu bekommen und irgendetwas – so wirr es auch sein mag – aufs Papier zu bringen.

Je tiefer du in den Schreibprozess hineingehst, desto stärker wirst du merken, wie sich das Schreiben verselbstständigt. Je nachdem wie »voll« dein Kopf ist, kann das nach 100, aber auch erst nach 1000 Wörtern passieren. Der bewusste Verstand, also das Denken, rückt nun langsam in den Hintergrund und was übrig bleibt ist der Schreibprozess selbst. Du schreibst zwar, bist aber in so einem »Flow«, dass du nicht bewusst darüber nachdenken musst, was du schreibst. Das Schreiben passiert einfach.

Dieser »Flow« ist Meditation und das Ziel dieser Übung. Auch hier spielt es keine wirkliche Rolle, was geschrieben wird. Es geht um den kreativen und inspirierenden Zustand und um das bewusste Erleben dessen. Nichtsdestotrotz kommt es dennoch oft vor, dass neben banalen Dingen auch »sinnvolle« Aussagen getroffen werden, die hilfreich für die eigene Entwicklung sein können.

5. Dynamische und aktive Meditation

Die dynamische Meditation wurde ursprünglich von Osho ins Leben gerufen, als er merkte, dass Menschen aus der westlichen Zivilisation innerlich oft zu aufgewühlt und hektisch sind, um ruhende Meditationsübungen zu praktizieren.

Die dynamische Meditation nach Osho wird zum Sonnenaufgang praktiziert und besteht aus fünf Phasen: dem chaotischem Atmen, der »Explosion«, dem Springen, der Pause und dem abschließendem Feiern und Tanzen. Jede der Phasen dauert 10-15 Minuten und die gesamte Meditation dauert insgesamt eine Stunde.

Ich persönlich finde diesen spezifischen Ablauf nicht sehr alltagstauglich, da er auch eher für Gruppen und nicht zum alleinigen Praktizieren geeignet ist.

Dennoch können wir uns von der dynamischen Meditation inspirieren lassen und einen eigenen, für uns passenden Ablauf entwickeln. Der Gedanke von Osho, durch Bewegung und »Ekstase« den Zustand der Meditation zu erfahren ist sehr schlau gewesen. Er ist jedoch nicht an einen bestimmten Ablauf gebunden.

Eine dynamische bzw. aktive Meditation könnte beispielsweise auch so aussehen, dass du ein Gute-Laune-Lied aufdrehst, für die Dauer des Liedes wild durchs Zimmer tanzt, dann in die kalte Dusche springst und dich anschließend für ein paar Minuten hinsetzt und einfach deinen Körper spürst und deinem Atem folgst.

Es kann aber auch ganz anders aussehen. Das Wichtigste für das dynamische und aktive Meditieren ist – wer hätte es gedacht – Dynamik und Aktivität. Suche dir dafür einfach ein paar Aktivitäten aus, die deinen Körper gänzlich mit einbeziehen und verbinde sie mit Achtsamkeit und ruhenden Phasen. Auch Fitness- und Yoga-Übungen lassen sich wunderbar in diese Art der Meditation einbauen. Du kannst hier kreativ sein und konventionelle Ansichten komplett über Bord werfen.

Wenn du die dynamische Meditation nach Osho einmal in seiner ursprünglichen Form erleben willst, solltest du das am besten gleich in einem Osho-Meditationszentrum unter professioneller Anleitung tun.

6. Monotasking als Alltagsmeditation

Meditation muss nicht immer abgesondert vom Alltag praktiziert werden, sondern kann auch wunderbar in den Alltag integriert werden. Genau genommen ist dies sogar ein Ziel von herkömmlichen Meditationsübungen: eben diesen Zustand auf das gesamte Leben auszudehnen.

Das Monotasking ist so gesehen zwar eher eine Achtsamkeitsübung, muss in einer Liste der 10 besten Meditationsübungen jedoch trotzdem seinen Platz finden. Denn Meditation und Achtsamkeit lassen sich sowieso nicht klar voneinander trennen. Es sind in gewisser Weise nur verschiedene Ansätze ein und derselben Sache (Bewusst-sein).

AlltagsmeditationsübungMonotasking ist der Gegensatz zum Multitasking und bedeutet also, statt vielen Sachen gleichzeitig nur eine Sache zu tun. Wenn man mehrere Sachen auf einmal tut, sagen wir Frühstück essen und Zeitung lesen, dann ist man weder bei der einen, noch bei der anderen Sache wirklich anwesend, wirklich bewusst.

Die Aufmerksamkeit muss geteilt werden, was dazu führt, dass man gar nicht oder kaum aufmerksam ist. So wird das Frühstück aufmerksam gegessen, sondern nur unbewusst verschlungen, und das Gelesene geht in den Kopf rein und gleich wieder raus, ohne einen Nutzen zu erfüllen.

Dieses ständige Überfordern unserer Sinne durch zu viele gleichzeitig auf uns wirkende Einflüsse, sei es Radio, Fernsehen, Zeitung oder das Smartphone, ist in der westlichen Zivilisation weit verbreitet und wirkt sich auf unser Bewusstsein einschränkend ein. Es fördert die Tendenz, dass wir immer weniger Dingen mit Achtsamkeit begegnen und unbewusst durchs Leben gehen.

Monotasking soll dem entgegenwirken. Es ist ganz einfach: gebe dem, was du tust, deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Wenn du Zähne putzt: putze Zähne, wenn du Geschirr spülst: spüle Geschirr, und wenn du isst, dann iss, und tue sonst nichts. Du kannst jede noch so einfache, noch so banale Tätigkeit zu einem Anker deiner Meditation machen und so auch im Alltag wunderbar meditieren.

7. Einschlaf-Meditation

Beim Einschlafen neigen wir oft dazu, uns in Gedanken noch beim Geschehen von heute oder schon bei den Aufgaben von morgen zu befinden. Das ist jedoch nie wirklich gewinnbringend und hält uns in der Regel davon ab, in Ruhe einzuschlafen.

In den letzten Jahren habe ich gemerkt, wie wichtig der Einschlafprozess für den Schlaf selbst und den kommenden Tag ist. Wenn wir ruhig und bewusst einschlafen, hat der Schlaf viel mehr Qualität und wir erholen uns besser. Das führt dazu, dass wir morgens leichter aus dem Bett kommen und besser in den nächsten Tag starten können. Der erste Stein für den Tag wird als schon am Abend zuvor gelegt.

Die »Einschlaf-Meditation« besteht kurz gesagt einfach darin, geistig ruhig und bewusst einzuschlafen. Der erste Schritt dafür ist, dass du das Zubettgehen zu einem wichtigen, abschließenden Punkt deines Tages machst. Oft wartet man darauf, bis man komplett übermüdet ist, schläft vielleicht vorher kurz noch vorm Fernseher ein und geht erst dann ins Bett. Das wollen wir vermeiden.

Die Einschlaf-Meditation geht schon eine halbe bis volle Stunde vor dem eigentlichem Zubettgehen los. In dieser Zeit führen wir uns langsam an den Schlaf heran, indem wir mit dem Tag abschließen und schon zur Ruhe und Besinnung kommen. Fülle diese Zeit mit Dingen, die dich zu dir selbst kommen lassen. Das kann ein Spaziergang, ein inspirierendes Buch oder eine andere Meditationsübung sein.

Wenn du dann zu Bett gehst, tue dies bewusst und falle nicht einfach nur in den Schlaf. Die Meditation besteht darin, ohne Anstrengung, ganz gelassen zu beobachten, wie dein Körper langsam einschläft und sich dein Bewusstseinszustand Schritt für Schritt verändert. Das kannst du tun, indem du einfach deinen Körper fühlst, deinem Atem folgst oder in die »Schwärze« vor deinen Augen schaust.

Du wirst dann bemerken, wie dein bewusster Verstand immer weiter »runterfährt« und sich dem Schlafzustand annähert. Beobachte das einfach und lasse es zu – darin besteht diese Meditationsübung. Es ist eine besondere Form der Meditation, die einen sehr positiven Einfluss auf den Schlaf und den kommenden Tag hat.

8. Meditation über die Sinne

Neben unserem Atem oder bestimmten Aktivitäten gibt es einen weiteren tollen Anker für die Meditation: unsere Sinneswahrnehmung. Wahrnehmung findet immer im Hier und Jetzt statt und das macht sie zu einem perfekten Anker.

Die Meditation über die Sinne besteht darin, nach und nach alle Sinne zu »aktivieren«, um am Ende eine ganzheitlich umfassende Wahrnehmung zu erreichen. Am besten praktizierst du diese Meditation in der Natur oder einem anderen »eindrucksvollem« Ort. Doch natürlich kannst du sie auch Zuhause üben.

Wenn du einen für dich geeigneten Platz zum Meditieren gefunden hast, setze dich hin und beginne damit, dir die Umgebung mit geöffneten Augen genau anzuschauen. Bewerte nicht, was du siehst, sondern lasse die Wahrnehmung einfach passieren und beobachte. Die visuelle Wahrnehmung ist jetzt dein Anker.

Sobald du dich an das Visuelle »gewöhnt« hast und es vollständig wahrnimmst, kannst du deine Aufmerksamkeit auf einen weiteren Wahrnehmungskanal erweitern. Was hörst du? Riechst oder schmeckst du etwas? Schließe diese Wahrnehmungen in deine Meditation mit ein und lasse sie zu deinem Anker werden.

Wenn du die visuellen und auditiven Eindrücke gleichermaßen wahrnimmst, kannst du langsam damit beginnen dein Körpergefühl und den Atem mit einzubeziehen. Gehe dafür von oben nach unten deinen Körper durch und spüre kurz in jedes Körperteil rein. Wenn du Verspannungen spürst, kannst du diese durch ein sanftes Lockerlassen im jeweiligen Bereich auflösen.

Du nimmst nun deinen gesamten Körper samt seiner Sinne wahr und kannst nach Belieben in diesem Bewusstsein verharren und den Zustand genießen. Wenn du möchtest, kannst du die Meditationsübung noch vertiefen, indem du die Augen schließt und deine Aufmerksamkeit nach Innen richtest. Auch hier gilt: beobachte einfach.

Meditationsübung auf einem Berg

9. Vier-Phasen-Atmung

Die Vier-Phasen-Atmung ist eine Meditationsübung, bei der die Aufmerksamkeit auf jede Phase des Atems gerichtet wird. Sie eignet sich für klassische Sitzmeditationen, aber auch für alltägliche Situationen, in denen aufgewühlt bist und zurück in die Stille kommen möchtest.

Die vier Phasen des Atems bestehen aus dem Einatmen, dem Ausatmen und den Punkten dazwischen, in denen der kurz Atem stillsteht und weder eingeatmet noch ausgeatmet wird. Zusammen ergeben sie einen sich ständig wiederholenden Atemzyklus. Du kannst dir diesen Zyklus wie einen kreisförmigen Prozess zwischen deiner Nase und deinem Bauch vorstellen.

Die Übung besteht darin, jeder dieser Phasen – und vor allem die Übergange zwischen den einzelnen Phasen – bewusst wahrzunehmen. Wie fühlt es sich an, wenn das Einatmen langsamer wird und schließlich den Punkt erreicht, an dem es kurz stoppt und dann ins Ausatmen übergeht? Wie fühlt es sich an, wenn der Atem deinen Körper verlässt und du komplett ausgeatmet hast?

Der Unterschied zu anderen Atem- oder Meditationsübungen besteht darin, den Atem als den vielfältigen Prozess der er ist zu erleben. Es ist nicht einfach nur ein Mechanismus, der Sauerstoff in den Körper bringt und die Reste wieder ausscheidet. Es verbirgt sich viel mehr dahinter – und in der Entdeckung dessen liegt diese Meditationsübung.

Indem du in jede einzelne Phase hineinfühlst und beobachtest, was in dir passiert, während sich die Atemphase ändert oder ein neuer Zyklus beginnt, kann diese Meditationsübung zu einer wahren Quelle der Erkenntnis für dich werden.

10. Visuelle Meditation

Visuelle Meditationen bestehen darin, die gesamte Aufmerksamkeit auf ein physisches Bild, einen Eindruck oder eine geistige Vorstellung zu richten. Diese Meditationsübung kann also mit offenen und auch mit geschlossenen Augen praktiziert werden. Meditationsübungen, die direkt über den visuellen Wahrnehmungskanal verlaufen, haben erfahrungsgemäß vor allem einen Einfluss auf das dritte Auge und die Zirbeldrüse.

Möchtest du diese Form der Meditation mit geöffneten Augen üben, eignet sich eignet sich die Flamme einer Kerze sehr gut. Prinzipiell kannst du jedoch jeden Eindruck und jedes Bild als Anker benutzen. In meinem Artikel über die Öffnung des dritten Auges habe ich die Meditationsübung »Wahrnehmung des leeren Raumes« erklärt, in welcher als Anker der »leere« Raum (Äther) benutzt wird.

Für den Anfang empfehle ich jedoch ein greifbares Bild, wie eben das einer Flamme. Verdunkle dafür dein Zimmer, nimm eine Meditationsposition ein und zünde eine Kerze etwa 30 cm vor deinem Gesicht in Höhe deiner Augen an. Beobachte nun einfach nur die Flamme, wie sie sich bewegt und verändert, und sei dir dabei stets deines Atems bewusst. Tue das so lange, wie es sich gut anfühlt.

Statt eines physischen Eindrucks kannst du auch ein geistiges Bild kreieren, welches du als Anker für deine Meditation nutzt. Schließe dafür deine Augen und stelle dir etwas vor, dass dich ruhig und entspannt fühlen lässt. Das kann eine Landschaft, ein Gegenstand oder etwas völlig Abstraktes sein.

Ich benutze als Vorstellung sehr gerne Farben oder bestimmte Konstrukte aus Licht und Energie. So stelle ich mir zum Beispiel gerne vor, von einem Meer aus Licht umgeben zu sein oder in einer golden-strahlenden Pyramide aus Energie zu sitzen. Du kannst dich beim Visualisieren kreativ komplett ausleben und dann schauen, was auf dein Bewusstsein einen positiven Einfluss hat.

Fazit

Als Individuen befinden wir uns in unterschiedlichen Lebenslagen, haben verschiedene Vorlieben und Charakterzüge. Einfach still dazusitzen ist nicht für jeden das Richtige, und das muss es auch nicht sein. Lasst uns Meditation nicht darauf beschränken.

Ich halte es für wichtig, dass wir uns von dem Gedanken entfernen, dass Meditation auf eine bestimmte Art und Weise praktiziert werden muss. Dogmatische Vorstellungen bringen uns nicht weiter. Meditation kann wirklich alles sein. Am Ende kommt es darauf an, mit welchem Bewusstsein wir den Dingen begegnen, die uns begegnen.

Haben wir einen offenen und aufmerksamen Geist, dann ist das Meditation. Bestimmte Übungen sollen uns lediglich dabei helfen, diesen Zustand für uns zu entdecken und zu vertiefen. Denn erst so können wir ihn in andere Bereiche des Lebens übertragen und ihn ganzheitlich integrieren.

Was ist deine Lieblings-Meditationsübung? Schreibe es mir in die Kommentare!

 

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