Wie sich das spirituelle Erwachen bemerkbar macht

Der Philosoph Ralph Waldo Emerson sagte einmal, dass es in einer Welt die einen ständig anders haben möchte die größte Errungenschaft sei, man selbst zu sein. Diese Aussage ist aktueller denn je, obwohl sie fast 180 Jahre alt ist. Wir haben uns so stark von unserer wahren Natur abgewandt, dass wir nicht mehr wissen, wer wir sind. In einer materialistischen, vom Ego geprägten Welt ist es daher schon fast ein revolutionärer Akt, ein spirituelles Erwachen zu erleben.

Doch die Menschen auf der ganzen Welt befinden sich in ständigem Wandel. Gerade in diesem Jahrhundert ist dieser Wandel deutlich zu sehen. Viele Menschen lösen sich von konventionellen Dogmen und Vorstellungen unserer Kultur. Sie ändern ihr Denken und ihre ganze Art zu leben. Denn genau so beginnt das spirituelle Erwachen oft: Durch eine erhöhte Bewusstheit in den alltäglichen Dingen. 

Das vorgefertigte Leben und die Erwartung anderer

Viele Menschen auf dieser Welt leben leider nicht danach, was ihr Herz ihnen sagt. Familie, Freunde, die Gesellschaft – alle erwarten etwas von uns. Wir sollen dass tun, was in ihr Bild von richtig und falsch passt. Schon im Kindergarten geht es los, dass wir lernen, was wir zu tun und was wir zu lassen haben.

Das ist gut und das ist schlecht, das gehört dahin und das kommt dorthin, du musst diese Bedingungen erfüllen und darfst keinesfalls das machen. In der Schule geht es so weiter und je älter wir werden, desto schlimmer wird es.

Wir bekommen suggeriert, wie man richtig lebt, wie man liebt, wie man als Freund oder Partner sein muss, wie man eine Familie zu führen hat und so weiter.

Niemand meint es böse mit uns, wenn er uns in diese ihm bekannte Richtung weist, und doch werden wir dadurch in unserer eigentlich freien Natur eingeschränkt. Unser wahres Selbst kann sich nicht entfalten, wenn wir nach den Regeln und Normen anderer leben. Die Erwartungen anderer können uns unterdrücken.

Wir haben zwar gelernt, was richtig und was falsch ist, doch sehen wir das überhaupt genauso? Haben wir das je hinterfragt?

Hinterfragen des dir Bekannten

Mit diesem Hinterfragen beginnt das spirituelle Erwachen bei den meisten Menschen. Man fängt damit an, Dinge, die man sonst als gegeben hingenommen hat, aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Immer mehr Menschen tun genau das. Sie distanzieren sich von dem „klassischem“ Leben unserer Gesellschaft – weg von Konsum, materiellen Bedürfnissen und einem 40-Stunden Job. Es wird erkannt, dass es Alternativen neben dem gibt, was uns über die Medien vermittelt wird.

Wenn du ein spirituelles Erwachen erlebst, wirst du dir genau dieser Strukturen und vermeintlichen Zwängen bewusst. Doch du siehst auch, dass die Dinge zwar von Außen auf dich wirken, du sie dir jedoch selbst auferlegt hast. Das ist auch der Grund dafür, dass nur du selbst dich von ihnen lösen kannst. Denn Veränderung ensteht immer aus unserem Inneren hinaus, die äußeren Umstände spielen dabei keine Rolle.

Die Transformation des Bewusstseins

Der Erwachungsprozess baut sich meist das ganze Leben lang auf, bis eine einschlägige Erfahrung das Fass zum überlaufen bringt und man sich geistig komplett neu orientiert. Sei es der Kontakt mit dem Tod oder anderen kleineren Umständen, die sich zusammen addieren und zu einer Erkenntnis führen.

Es passiert etwas, ob nun über Zeit oder von heute auf morgen, was deine Bewusstheit erhöht. Du wirst plötzlich achtsamer und schätzt das Leben und den gegenwärtigen Moment mehr. Das Leben in der Vergangenheit oder in der Zukunft hört auf und wird immer mehr in das Hier und Jetzt verlagert.

Davor gingst du eher schlafwandelnd durch das Leben. Deiner Gedanken, Gefühle, Worte und Taten warst du dir nicht bewusst. Äußere Situationen brachten dich zum reagieren, anstatt bewusst aus deinem Zentrum heraus zu handeln. Du wurdest gelebt, anstatt selbst zu leben.

Das spirituelle Erwachen bedeutet schlichtweg die Transformation aus einem schlafenden, mechanisch-reaktivem Zustand, hinein in ein waches und klares Bewusstsein.

Die Anzeichen des spirituellen Erwachens

Das spirituelle Erwachen ist ein Prozess bei dem sich viel verändert – vor allem man selbst. Interessen und Ansichten können sich von heute auf Morgen verschieben, durch nur eine kleine Erkenntnis.

Während dieses Prozesses bist du vergleichbar mit einer Schlange, die sich häutet. Deine Haut besteht aus Erfahrungen, aus all den Dingen, die du aus der Vergangenheit mit in die Gegenwart gebracht hast. Das sind alte Muster, Gewohnheiten, Identifizierungen, Gedanken und so weiter. Das legst du alles ab, wie eine Schlange ihre Haut ablegt.

Den meisten Menschen fällt das nicht gerade leicht. Auch für mich war es schwer, vermeintliches Wissen und Glauben loszulassen und mich in das Unbekannte zu wagen. Doch soviel kann ich sagen: Es hat sich gelohnt.

Die folgenden Anzeichen beruhen lediglich auf meinen eigenen Erfahrungen. Im Austausch mit anderen konnte ich jedoch feststellen, dass sich das geistige Erwachen meist ähnlich äußert.

Altes mit neuen Augen sehen

Durch das Hinterfragen des uns Bekannten fangen wir damit an, das Alltägliche aus einer komplett neuen Perspektive zu betrachten. Schwarz ist plötzlich nicht nur noch schwarz und schlecht ist nicht gleich schlecht. Vermeintliche Gegensätze und Polaritäten verschwimmen ineinander.

Diese Sichtweise ist bedingt durch eine offene und freie Geisteshaltung, welche das spirituelle Erwachen gezwungenermaßen mit sich bringt. Dadurch findet man die Freude wieder in den kleinen Dingen, die man vorher nicht bewusst wahrgenommen hat. Sei es beim Essen, Lesen, Laufen oder einfach im Sein. Es geschieht ein geistiger Reset, wie wenn man in einen Computer eine neue Festplatte einbaut.

Distanz von Negativität

Es ist nicht ungewöhnlich, während des Erwachens das ganze Leben auf den Kopf zu stellen. Du erkennst, dass dich manche Dingen bei der persönlichen Entwicklung eher hindern, anstatt sie zu fördern. Grundsätzlich kann das alles sein, was dich herunterzieht und negative Auswirkungen auf deine Gesinnung hat.

Seien es Gewohnheiten, Situationen oder Zwänge. Oft verringert sich sogar der Freundes- und Bekanntenkreis, da man manchen Themen einfach keine Aufmerksamkeit mehr schenken kann/will. Das Distanzieren von Dingen, die dich nicht mehr glücklich machen, ist ein gesunder Teil des Prozesses.

Introversion und Alleinsein

Durch dieses Distanzieren kann eine gewisse Introvertiertheit entstehen. Du bist eher in dich gekehrt und achtest auf dich Selbst, anstatt im Außen nach Erfüllung zu suchen. Diese Geisteshaltung geht oft mit Alleinsein (nicht Einsamkeit) einher.

Oft wird dabei das Alleinsein als etwas komplett neues erfahren. Es wird zu einem meditativen Zustand des einfachen Seins. Ein Alleinsein im Sinne der stillen Verbundenheit mit sich selbst und dem Leben. Mittig – erfüllt – lebendig.

Minimalistisches Leben

Die Erkenntnis, dass Glück aus dem Inneren kommt führt oft zu einem minimalistischem Lebensstil. Du brauchst plötzlich nicht mehr das neuste Zeug, Markenklamotten oder anderen Unsinn. Die Grundbedürfnisse reichen dir auf einmal zum leben.

Materielle Dinge haben einfach keine Bedeutung mehr. Es entsteht eine tiefe Freiheit und Losgelöstheit. Die äußeren Freuden sind nun vielmehr in Dingen wie der Natur oder im Leben selbst zu finden.

Ein gesunder und natürlicher Lebensstil

Oft erkennt man, wie weit man sich vom ursprünglichem Leben abgewendet hat und wie plastisch und mechanisch alles geworden ist. Das kann dazu führen, dass du selbst wieder gesünder und natürlicher leben möchtest. Womöglich änderst du deine Essgewohnheiten oder legst einfach mehr Wert auf Nachhaltigkeit.

Vielleicht flüchtest du auch öfters aus der Stadt, weil du dich in natürlichen Umgebungen wohler fühlst. So oder so bist du verbundener mit der Natur und gehst bewusster mit ihr um.

Streben nach Antworten und Weisheit

Durch die Veränderung der Sichtweise erkennt man auch, dass man eigentlich gar nichts weiß. Wir haben lediglich äußere Informationen gesammelt und daraus unser vermeintliches Wissen geschaffen. Doch wirklich tiefgründig ist dieses nicht.

Während des Erwachungsprozesses stehen vor allem grundlegende philosophische Fragen im Vordergrund. Wer und was bin ich? Warum bin ich hier? Was ist der Sinn des Lebens? Was ist das Leben und der Tod?

Das Lesen von Büchern und der Austausch mit anderen spirituellen Menschen hilft zwar enorm, doch auch diese können dir deine Fragen nicht beantworten. Sie können dich nur in eine Richtung weisen und dir helfen, die Antworten letztendlich selbst zu finden.

(Selbst-)Liebe statt Egoismus

Die Beziehung zu dir selbst stärkt sich. Durch die Selbsterkenntnis entwickelst du eine tiefe innere Liebe. Du vertraust dir selbst und bist dir deiner Selbst bewusst. Diese Selbstliebe hat nichts mit Egoismus zu tun, ganz im Gegenteil. Du projizierst diese innere, bedingungslose Liebe auf andere und erkennst, was wahre Liebe wirklich ist.

Das führt zu einem starkem Empathievermögen. Du verstehst andere Menschen leichter und bist entspannter, was ihre Sicht auf die Dinge angeht, da du weißt, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss. Doch Verständnis und Liebe hört nicht beim Menschen auf. Sie bezieht sich auf alles, was existiert. Sie kennt keine Grenzen.

Illusionen und das Ego

Beim Erwachungsprozess erkennst du nicht nur den illusorischen Charakter vergangener Erfahrungen und zukünftiger Vorstellungen, vor allem wirst du dir auch deines Ego bewusst.

Dabei ist es wichtig, es nicht zu bekämpfen oder probieren, es zu zerstören. Allein der Wille, das Ego besiegen zu wollen, ist Teil des Egos – einfach nur ein anderer Aspekt davon. Es bringt nichts Positives, wenn ein Gedanke gegen einen anderen Gedanke Krieg führt.

Das Ego ist Teil der menschlichen Erfahrung und ein wichtiges Hilfsmittel, um in dieser Welt zurecht zu finden. Die wahre Transzendenz besteht darin, es zu erkennen und zu akzeptieren. Durch die simple Bewusstwerdung und Beobachtung, hat es keine Macht mehr über dich. Dem wirst du dir klar.

Spirituelle Erfahrungen und erweiterte Wahrnehmung

Wenn du dir Selbst und dem Leben mehr Beachtung schenkst, wirst du früher oder später Dinge erleben, die du mit Worten nicht erklären kannst. Diese Erfahrungen bewegen sich in ganz anderen Dimensionen als der dir bekannten Räumlichkeit oder Zeit und sind daher mit dem Verstand nur schwer zu fassen.

Auftreten können sie im Schlaf, in der Meditation oder in anderen tranceartigen Zuständen. Aber auch im Alltag kann sich eine erweiterte Wahrnehmung bemerkbar machen. Es muss nicht zwingend visuell oder auditiv sein, oft spielt es sich auf einer intuitiven Ebene ab. Vielleicht hast du ein verstärktes Bauchgefühl oder spürst anderweitig Dinge, die du vorher nicht bewusst wahrgenommen hast.

Körperliche Beschwerden beim spirituellen Erwachen?

Wie alles andere ist auch das spirituelle Erwachen ein ganzheitlicher Prozess. Das ist der Grund dafür, dass viele Menschen von körperlichen Symptomen wie Schlafproblemen, Müdigkeit, Kopf- oder anderen Schmerzen berichten.

Diese Symptome entstehen durch das Anhaften an dem alten Bewusstsein. Durch dieses Anhaften kann eine innere Verwirrung entstehen, welche sich neben dem Geist auch auf den Körper auswirkt. Das kann am Anfang des Prozesses passieren oder wenn man von der Veränderung überrumpelt wird.

Sei dir jedoch bewusst, dass du diese Symptome selbst zum Leben erweckst. Dein Körper ist ein Abbild deines Geistes, und wenn du im Geiste nicht klar und frei bist, wird es dein Körper auch nicht sein.

Du musst keine körperlichen Beschwerden haben. Der Trick ist, nicht gegen die Veränderung anzukämpfen. Lasse es zu und fließe mit ihr. Erlange die Kontrolle, indem du die Kontrolle verlierst. Das mag zuerst paradox klingen, doch du wirst verstehen, was ich meine.

Wenn du die Veränderungen zulässt, wirst du den Erwachungsprozess als etwas befreiendes und nicht als etwas schmerzliches erfahren. Aufhalten lässt er sich so oder so nicht. Es liegt allein bei dir, wie du ihn erlebst.

„Ein einmal erweiterter Geist kann nie wieder seine ursprüngliche Größe erreichen.“Oliver Wendell Holmes

Fazit

Wer ein spirituelles Erwachen erlebt hat es nicht immer leicht. Mit anderen darüber zu reden ist schwierig, da auf der anderen Seite oft das Verständnis fehlt. Man ist also mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Doch genau das ist auch das Schöne daran, da eine komplett neue Beziehung zu einem selbst und zum Leben entsteht.

Dabei ist es vor allem ratsam, sich nicht gegen die Veränderung zu wehren. Man sollte offen sein und die Höhen wie die Tiefen akzeptieren, damit sich das Bewusstsein wahrhaftig transformieren kann und der Erwachungsprozess zu einer angenehmen Erfahrung wird.

Kannst du dich in ein paar Aussagen dieses Artikels wiederfinden oder kannst du gar nichts damit anfangen? Schreibe mir deine Erfahrungen in die Kommentare!

 

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